The Makkah Royal Clock Tower

Die größte Turmuhr der Welt

Die Idee, den zentralen Wolkenkratzer des King Abdul Aziz Endowment Projects in Mekka als höchsten Uhrenturm der Welt auszuführen, entstand im Zuge der Errichtung einer Gruppe von sieben Hoteltürmen am Tor zur Großen Moschee. Die Konstruktion für die Türme war bereits kalkuliert, als SL Rasch Ende 2006 mit der Aufgabe betraut wurde, einen Entwurf für den riesigen Uhrenaufsatz auszuarbeiten. Vorgabe war, dass die Turmspitze ein Gesamtgewicht von 82.000 Tonnen nicht überschreiten dürfe. Das Ergebnis ist eine höchst aufwändige Gestaltung, bei der sich zeitgenössische Verbundwerkstoffe mit traditionellen Elementen islamischer Kunst auf selbstverständliche Weise vereinen.

Skelettkonstruktion

Vier V-förmige Stützen bilden den Grundrahmen der Tragstruktur des Uhrenturms. Über der Uhr verschmelzen die Säulen zu einem konischen Stahlträger, der den Konturen der Turmspitze folgt und die Kräfte direkt von oben nach unten leitet.

Um maximale Tragfähigkeit bei einem Minimalgewicht zu erhalten, entwickelten die Bauingenieure eine Skelettkonstruktion mit Verbundprofilen aus hochfestem Stahl und Beton. Daran wurden die riesigen Ziffernblätter und Zeiger der Uhr und die Schrifttafeln darüber befestigt. Sie bestehen aus innovativen Verbundwerkstoffen, die mit maßgeschneiderten Glasfliesen verkleidet wurden. Um den Anforderungen des Projekts gerecht zu werden, wurde ein automatisiertes Produktionssystem eingerichtet. Der umfangreiche Einsatz modernster Computersoftware ermöglichte die Vorfertigung und Vormontage der Verbundelemente inklusive Mosaikfliesen und Leuchtmittel.

Glasmosaiken und innovative Verbundwerkstoffe

Zwar sind die Verbundwerkstoffe der Turmuhrverkleidung extrem langlebig, doch müssen sie vor schädlichen UV-Strahlen geschützt werden. Da Glasmosaik bei der Reflexion von UV-Licht sehr effektiv ist und eine ausgesprochen dekorative Wirkung besitzt, wurden die Ziffernblätter und andere Teile der Fassade mit maßgeschneiderten Glasfliesen verkleidet. Bei Tages- und Nachttemperaturschwankungen von bis zu 70 Grad Celsius müssen Fliesen und Kleber besonders widerstandsfähig gegen thermische Einflüsse sein.

Bei der Verarbeitung hochfester Glas- und Kohlefaserkomponenten konnte SL Rasch auf die Expertise eines auf den Bau von Rennjachten spezialisierten Bootsbauers zurückgreifen. Für die Realisierung der Uhr selbst wurde der renommierte Turmuhrenhersteller Perrot aus Calw gewonnen, der sich hier großen Herausforderungen stellte: Die Ziffernblätter der Uhr in etwa 450 Metern Höhe messen in der Vertikale 43 Meter. Alleine die Uhrzeiger haben eine Länge von 22 Metern. Sie sind ein herausragendes Beispiel für selbsttragende Konstruktionen, die ähnlich wie der Rumpf eines Bootes, ihre Steifigkeit allein aus ihrer äußeren Schale ableiten – ganz ohne tragende Innenkonstruktion. An einigen Stellen bestehen sie aus bis zu 150 Schichten Kohlefaserlaminat.

Die hohlen Konstruktionen lassen sich über eine verdeckte Luke im Zifferblatt begehen, um die installierten LEDs zu warten. Mit insgesamt 12 Tonnen Gewicht benötigen die Kohlefaserzeiger ein außergewöhnlich starkes und robustes Uhrwerk aus hochwertigen Schneckenrädern, Zahnrädern und Wellen. Mit 21 Tonnen ist es das schwerste Uhrwerk der Welt. Die Turmuhr wird bekrönt von einem »Glasjuwel«, das einem facettierten Diamanten ähnelt. An seiner Spitze wurden Solarkollektoren installiert, die die vier Uhreneinheiten betreiben. Ein 45 Meter hoher Turm, an dessen Spitze ein goldener Halbmond thront, schließt die Gesamtkonstruktion nach oben hin ab.

Der Innenraum hinter den Uhren beherbergt ein Kosmologie-Forschungszentrum und öffentliche Ausstellungsräume. Auf vier Etagen erhalten die Besucher Informationen über die Entwicklung und den Bau des Uhrenturms, über die Geschichte der islamischen Zeitmessung und über die Geschichte des Korans. Das »Glasjuwel« beherbergt das Lunar Center und das Makkah Time Institute – eines von mehr als fünfzig Zeitinstituten weltweit. Neben Greenwich Mean Time wurde mit der Uhr ein zweiter Zeitstandard eingeführt. Muslime in Berlin, London, New York oder Jakarta wissen nun genau, wann mit der aufgehenden Sonne in Mekka der Ramadan beginnt, wann das Fasten nach Sonnenuntergang gebrochen werden kann oder wann die fünf täglichen Gebete in Richtung Mekka durchgeführt werden sollen.