Sliding Domes

Bewegliche Hightech-Kuppeln in traditionellem Gewand

Der traditionelle Architekturkomplex der Moschee und Grabstätte des Propheten Mohammed in Medina ist an glänzender Marmorpracht kaum zu überbieten. Der König selbst legte den Grundstein für die zwischen 1984 und 1994 realisierte zweite saudische Erweiterung, die Platz für mehr als 280.000 Gläubige bietet. Sie umfasst 27 quadratische Innenhöfe, die die riesigen Hallen des Neubaus mit Tageslicht und Luft versorgen und die tagsüber von Kuppeln verschattet werden. Wenn ihre Kuppeln nach Sonnenuntergang zur Seite fahren, entweicht die Hitze und kühle Luft kann sich über die Nacht im Gebäude sammeln.

SL Rasch entwickelte für den Neubau die von einem integrierten Schienenantrieb bewegten Kuppeln. Ihre Formgebung zitiert marokkanische Vorbilder und kombiniert Bautradition mit modernster Technik. Außenhaut und Innenschale der Kuppeln werden von einer Stahlkonstruktion getragen und nutzen Verbundwerkstoffe, die bis zu diesem Zeitpunkt nur im Flugzeugbau Verwendung fanden.

Die Sandwich-Konstruktion der Außenhülle besteht aus Kohlefaser/Glasfaser-Epoxidlaminat mit einer wetterbeständigen Oberfläche aus sechseckigen Keramikfliesen. Um sie auf der halbrunden Außenfläche exakt positionieren zu können, wurde das Muster zunächst mit computergesteuerten Fräsmaschinen in die Formen der vorgefertigten Kuppelsegmente geschnitten. Die Fliesen wurden in ihre jeweils vorbestimmten Hohlräume gelegt und anschliessend laminiert.

Reich geschmücktes Inneres

Handgeschnitzte, teils vergoldete und mit Amazoniten besetzte Ornamente zieren das Innere der Kuppeln. Um jeglichen Materialmangel zu vermeiden erwarb Bodo Rasch eine der letzten Amazonit-Minen.

Die Innenverkleidung der Kuppeln besteht aus Holz/Epoxidlaminat mit einer Ahornfurnierverkleidung. Auf sie wurden die in Marokko von Hand geschnitzten, teilweise vergoldeten und mit Amazoniten belegten Ornamente aus Zedernholz aufgetragen. Die Segmente der Kuppeln wurden in Deutschland gefertigt, verpackt, verschifft und schließlich in Parkposition der Kuppeln über dem Flachdach der Moschee montiert.

Für die Kombination von traditionellem Handwerk und industrieller Fertigung, gekoppelt mit innovativer CAD Technik, erhielt das Projekt 1993 die Auszeichnung »Beste Innovation« des Internationalen Verbandes für Automatisierung und Robotik im Bauwesen (IAARC) in Houston, USA. Auch war das Projekt 2014 Preisträger des Abdullatif Al Fozan Award for Mosque Architecture.

Innovativer Mechanismus

Die Führungsschienen für die beweglichen Kuppeln sind auf den Innenwänden und dazwischenliegenden, durchgehenden Architraven befestigt. Auf den gegenüberliegenden Seiten des Grundrahmens befinden sich jeweils zwei Radkästen. Jedes Rad hat seinen eigenen Elektromotorantrieb. Die Kuppeln lassen sich so innerhalb einer Minute öffnen oder schließen.