Hightech-Zeltstadt

Temporäre Unterkunft für zwei Millionen Pilger

Seit Jahrhunderten reisen Pilger durch das enge Mina-Tal in Richtung Mekka. Ihre Ankunft in Mina markiert den Anfang des Hadsch. Für kurze Zeit gilt es, unzähligen Gläubigen ein temporäres Zuhause zu geben – drei Tage lang ist Mina wohl die größte Zeltstadt der Welt. Schon 1974 hatte sich Bodo Rasch mit der Infrastruktur und Entwicklung der Zeltstadt beschäftigt, 1979 folgte eine Dissertation zu dem Thema. Die Studie ist auch heute noch eine faszinierende Dokumentation der Schönheit des Komplexes in seiner herrlichen Bergumgebung.

Die immer größer werdenden Pilgerströme stellten allerdings im Laufe der Zeit ernsthafte Herausforderungen an die Stadtplaner – schließlich mussten Sicherheit und Hygiene in der Zeltstadt gewährleistet werden. SL Rasch schlug daher vor, neue, nicht brennbare Zelte zu entwerfen und wurde mit der Realisierung des Projekts beauftragt. In Anlehnung an das traditionelle Hadsch-Zelt – und um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Pilgerfamilien und -gruppen Rechnung zu tragen – wurden zwölf verschiedene Zelttypen entworfen, die auf einem quadratischen Modul von 8 mal 8 Metern basieren. Die typische spitzförmige Gestaltung wurde beibehalten, die Zelte erhielten jedoch eine geschützte Lüftungsöffnung um die Spitze des Mastes. Außerdem werden sie durch Wüstenkühler klimatisiert.

In nur sieben Monaten wurden die ersten 10.000 Zelte für 500.000 Menschen produziert und auf einem neu entworfenen Stadtplan errichtet. Insgesamt entstanden 40.000 Zelte für zwei Millionen Pilger. Sie bestehen aus feuerfestem, teflonbeschichtetem Glasfasergewebe, das in eigens errichteten Fabriken produziert wurde. An Betonfundamenten befestigte Stahlrahmen sowie ein zentraler Mast tragen die Membranwände und das Dach. Durch eingezogene Textilwände können die Zelte in Bereiche von 4 mal 4 Meter unterteilt werden, auch die Kombination zu größeren Einheiten ist möglich. Nach Abreise der Pilger werden die Zeltwände aufgerollt und sorgfältig unter den Zeltdächern gelagert. So ist die Zeltstadt Mina zu einer festen Installation geworden. Doch die gewählte Form erhält die Hadsch-Tradition und sichert eine gewachsene Kulturlandschaft.

Aufteilung und Ausstattung

Die Zelte können zu größeren Einheiten zusammengefügt oder durch eingezogene Textilwände unterteilt und halbiert werden. Jedes Zelt verfügt über Lautsprecher, Thermostate und Feueralarm. Die Verdrahtung für die Beleuchtung der Zelte läuft durch die Rohre der Struktur. Neben der natürlichen Belüftung wird jedes Zelt von einem auf der Dachkante montierten Wüstenkühler klimatisiert.

Traditionelle Formgebung

Das Design ist am traditionellen Hadsch-Zelt orientiert. Die typische spitzförmige Gestaltung wurde beibehalten, allerdings erhielten die Zelte eine geschützte Lüftungsöffnung um die Spitze des Mastes.