Mobilitätsdesigner für E-Bikes: Michael Conrad

Langjähriger Weggefährte der SL Rasch GmbH

Michael Conrad ist neben seiner Selbstständigkeit als Mobilitätsdesigner seit 1998 eng mit der SL Rasch GmbH verbunden und gelegentlich als freier Mitarbeiter tätig. Der Absolvent der Hochschule für Gestaltung Ulm hatte schon immer eine Affinität zu innovativem und zeitlosem Design von Gegenständen mit hohem Gebrauchswert, die das alltägliche Leben bereichern und erleichtern – fernab von Massenkonsumartikeln. Neben Büromöbeln, Elektrogeräten und Spielzeugen designte er im Laufe seiner Karriere vornehmlich Autos, fokussiert sich seit einigen Jahren jedoch vollkommen auf (Elektro-) Fahrräder.

Geboren in der Volkswagen-Stadt Wolfsburg und aufgewachsen in der Schweiz hat Michael Conrad – auch geprägt und inspiriert von seinem Vater, einem Karosserieingenieur – schon im Kleinkindalter begonnen, Autos zu zeichnen. Getrieben von dieser Passion, aber nicht festgelegt auf bestimmte Produktkategorien, entschied er sich einige Jahre später für ein Designstudium an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Obwohl Autodesign hier aufgrund der Wahrnehmung des Gefährts als Luxusobjekt regelrecht verpönt war, schaffte es Michael Conrad gemeinsam mit weiteren Kommilitonen die Verantwortlichen an der Hochschule vom Gegenteil zu überzeugen. Nachdem er mit Pio Manzú und Henner Werner einen vom Schweizer Autojahrbuch ausgeschriebenen Wettbewerb zum Entwurf eines Gran Tourismo gewonnen hat, fand nicht nur das Autodesign Einzug in die Lehrpläne in Ulm; auch die Aufmerksamkeit der internationalen Presse war geweckt. Der Entwurf des Austin Healey 3000 wurde als fahrfähiger Prototyp als bis dato einziger Fremdentwurf von Pininfarina realisiert und bei der British Motorshow 1962 ausgestellt. Rückblickend bezeichnet Michael Conrad dieses Ereignis als den Moment seiner Karriere, auf den er am stolzesten ist.

Michael Conrad

1943 und 2022

Austin Healey 3000

Design von Michael Conrad gemeinsam mit Pio Manzú und Henner Werner

Noch immer im Studium und motiviert vom vergangenen Erfolg haben Conrad und Manzú zusammen mit dem Autojournalisten Fritz B. Busch zwei Studien unter dem Namen „autonova“ veröffentlicht, die bei der IAA 1965 in Frankfurt präsentiert wurden. Während der autonova GT eher sportlicherer Natur war, gilt der autonova fam als Vorreiter des heutigen Minivans. Der Prototyp des Gefährts ist noch heute in der „Neue Pinakothek der Moderne“ in München ausgestellt. Finanziert wurden die Projekte vom Reifenhersteller Veith Pirelli sowie von den Neckarsulmer Motorenwerken (NSU). Die Studien waren jedoch im Hinblick auf ihr Design der damaligen Zeit weit voraus, was unter anderem ein Grund dafür war, dass eine Serienproduktion ausblieb.

autonova fam

Vorreiter des Minivans

Nach Abschluss des Studiums gründete Michael Conrad mit zwei ehemaligen Kommilitonen das Designbüro DELTA Design in Stuttgart. Das erste Projekt des Trios war der DELTA 1, ein fahrfähiges und zugelassenes Auto mit innovativer Produktionstechnik, das auf der IAA 1967 vorgestellt wurde. Dieser Auftritt brachte dem Büro mehrere Folgeaufträge von anderen Automobilherstellern und auch von Herstellern ganz anderer Produktbereiche ein.

Im Jahr 1971 wurde dann das modular aufgebaute und ebenfalls zugelassene Fahrzeug DELTA 6 auf der Hannover Messe präsentiert. Das geländegängige Fahrzeug mit verschiedenen Aufbauvarianten stand lange Jahre als Ausstellungsstück zur Leihgabe im Technikmuseum Mannheim. Als weiteres, großes Designobjekt folgte 1993 ein Shuttlebus für Flughäfen mit den noch heute charakteristischen tiefen, trapezförmigen Schaufenster-Scheiben, die Flughafenpassagieren einen guten Blick auf die Geschehnisse vor Ort ermöglichen sollten. Die Planung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem damaligen Chefingenieur der Omnibusmarke NEOPLAN, Bob Lee.

DELTA 1

Erstes Designprojekt des Büros DELTA Design

DELTA 6

Geländegängiges Fahrzeug mit unterschiedlichen Aufbauoptionen

NEOPLAN Bus

Shuttlebus für Transporte auf Flughafengeländen

Im Jahr 1997 folgte die alleinige Selbstständigkeit mit con-rad design und kurz darauf die Kooperation mit der SL Rasch GmbH. Im Laufe dieser Zusammenarbeit entstanden unter anderem Konzeptstudien für geländegängige Spezialfahrzeuge für Wüstenregionen oder für kleinere Züge, die bewegungseingeschränkte Menschen in ihrer Fortbewegung unterstützen sollen.

Als selbstständiger Mobilitätsdesigner liegt sein Fokus bereits seit Jahren auf der Gestaltung von Fahrrädern. Mit diesen Entwicklungen möchte er seinen Beitrag zu einer sauberen, emissionsfreien und nachhaltigen Mobilität der Zukunft leisten. Für seine beiden mit dem Hersteller HARTJE realisierten Elektrofahrräder erhielt er 2014 den Red Dot Design Award. Charakteristisch für das Conway EMR war die schwebende Hülle, die Platz für den Akku und weitere Utensilien bietet, während die Victoria e-Manufaktur ihren Akku nicht wie bis dahin typisch am Gepäckträger, sondern im Sattelrohr trägt.

Sein letztes Projekt war ein faltbares Kompakt-E-Bike in Zusammenarbeit mit Bergamont, welches sich optimal im Freizeitbereich einsetzen lässt, aber auch für den intermodalen Verkehr geeignet ist und somit individuelle Reisewege fernab der privaten PKW Nutzung ermöglicht. Aktuell arbeitet Michael Conrad an einem Crossover / All-Terrain E-Bike mit eigenständigem Erscheinungsbild, welches gleichermaßen als Stadt-, Trekking oder Mountainbike dienen soll.

Conway EMR

Für die Realisierung mit dem Hersteller HARTJE erhielt Michael Conrad des Red Dot Design Award

Victoria e-Manufaktur

Für die Realisierung mit dem Hersteller HARTJE erhielt Michael Conrad des Red Dot Design Award

Kompakt-E-Bike

In Kooperation mit dem Hersteller Bergamont

VESUV

All-Terrain E-Bike