Zu Recherchezwecken im Iran

Projekt Traditionelle Koranherstellung

بنی آدم اعضای یکدیگرند که در آفرینش ز یک گوهرند
Dieses persische Sprichwort besagt, dass alle Menschen dieser Erde Teil eines großen Ganzen sind und einen gemeinsamen Ursprung haben. Es spiegelt genau die Erfahrung wider, die unsere Kollegen auf Ihrer kurzen Exkursion durch den Iran gemacht haben und beschreibt, wie herzlich und offenherzig Ihnen überall begegnet wurde. Sie waren in besonderer Mission unterwegs: es galt, Kooperationspartner für ein einzigartiges Projekt zu finden – der Herstellung eines traditionellen Korans. Handarbeit, tradierte Techniken und die Verwendung natürlicher Materialien sollen bei der Produktion im Vordergrund stehen. Auf der Suche nach passenden Kontakten für die Ausarbeitung der Teilbereiche Kalligrafie und Papierherstellung wurde selbstverständlich auch die landestypische Architektur mitsamt Moscheen und umliegender Städte besichtigt, um sich ein genaueres Bild des Landes und der Kultur zu machen.

Der erste Halt auf der Route von der Hauptstadt Teheran ins Landesinnere war das südlich gelegene Schiras. Die altertümliche Stadt bezaubert durch atemberaubende und aufwändig angelegte Gartenanlagen mit opulenten Wasserläufen, handwerklich geprägte Architektur sowie ein modernes, sauberes Erscheinungsbild. Die besichtigten Moscheen konnten unterschiedlicher nicht sein und spiegeln damit auch den Facettenreichtum des ganzen Landes wider. Das erstbesuchte Gebetshaus Nasir ol Molk ist im Inneren durchweg farbenfroh und üppig ornamentiert. Wenn die Sonne durch die bunten und überwiegend geometrisch gestalteten Fenster scheint wird einzigartiges Lichterspiel kreiert, weswegen die Moschee angelehnt an die dominanteste Farbe auch als rosafarbene Moschee bezeichnet wird. Die anschließend besuchte Vakil Moschee hat eher durch schlichte und zurückhaltende Ästhetik überzeugt. Die Vielzahl an gewundenen Säulen ist ein architektonischer Blickfang und sorgt für ein ganz besonderes Erscheinungsbild.

Ähnliche gestalterische Unterschiede zeigten sich auch im Stadtbild von Kashan: Während der Basar im Stadtzentrum mit prächtig verzierten und verfliesten Kuppeln und Bögen im Abschnitt der Kaufhalle Timche-ye Amin od-Dowleh in Erscheinung tritt, basieren die Wohnhäuser in der Umgebung zumindest äußerlich auf schlichter Lehm- und Stroharchitektur. Diese Naturbaustoffe werden nicht nur aufgrund ihrer guten Dämmeigenschaften, sondern auch unter dem ökologischen Aspekt in vielen Bereichen des Bauwesens immer beliebter.

Weiter ging es nach Isfahan, frühere Hauptstadt des Landes und eine der bedeutendsten Städte persischer Architektur. Sie beherbergt eine der größten und ältesten Moscheen im Iran, die Natanz Jame-Moschee, welche auch als Freitagsmoschee von Isfahan bekannt ist. Ihr Baustil, der durch viele unterschiedliche Epochen geprägt ist, hat die iranische und die islamische Moscheenarchitektur maßgeblich beeinflusst. Auf über zwei Hektar Fläche beeidruckt das UNESCO-Weltkulturerbe mit handgefertigten Kacheln, aufwändigen geometrischen und symmetrischen Dekorationen sowie einer Vielzahl an reich verzierten Säulen und Kuppeln. Neben der Moschee ist in Isfahan besonders die Vank-Kathedrale, eine armenische Kirche, in Erinnerung geblieben, die wie viele andere Gebäude von außen eher unauffällig, von innen jedoch reich und kunstvoll verziert ist. Hier konnte man seine Augen kaum von den flächendeckenden Malereien mitsamt goldenen Schnitzereien lösen, die Wände und Decken gleichermaßen schmücken. Auch ihre Architektur gilt als Vorbild vieler Kirchen in der Gegend und vereint mit ihrer Kuppel Elemente aus dem Kirchen- und dem Moscheebau. Außerdem beherbergt sie neben einem Museum auch eine Bibliothek, in der wertvolle Schriften und Dokumente zur Geschichte des armenischen Volkes aufbewahrt sind. Der abschließende Stop der Exkursion war Hamadan, wo Treffen mit potentiellen Kooperationspartnern für unser Projekt stattgefunden haben.

Das Land am persischen Golf hat es unseren Kollegen angetan. Sie waren voller Freude, das Herkunftsland einiger unserer Mitarbeiter besuchen zu dürfen und waren neben den architektonischen Höhepunkten vorallem von der geografischen Vielfalt, der Kulinarik, dem Zusammenspiel verschiedener Kulturen und Religionen sowie der Gastfreundschaft begeistert. Die Qualität der Bauwerke in ihrer Ausführung und die bedeutende Rolle der traditionellen Ornamentik stimmt uns auch bezüglich der Durchführung der Koranherstellung positiv. Wir sind uns sicher, im Iran die idealen Partner und Bedingungen für die Fertigung der für uns relevanten Teilprojekte gefunden zu haben. Unsere Kollegen haben Arbeiten verschiedener Kalligrafen begutachtet und Schriftproben gesichtet, die unserer Vorstellung gerecht werden. Der Fokus auf Handarbeit, die Verwendung natürlicher Materialien sowie die Einzigartigkeit des Kalligrafie-Stils sprechen für sich. Diese Merkmale und geteilten Werte sind die Basis für die Zusammenarbeit an diesem besonderen Projekt.